Seit Ende 2023 baut Tesla in Deutschland und Europa die neue Supercharger V4-Generation aus. Versprochen werden bis zu 350 kW Ladeleistung – fast dreimal so viel wie der erste V2-Supercharger. Wir haben an einem V4-Standort in Frankfurt stundenlang gemessen und erklären, was Theorie und Praxis voneinander trennt.
Kurzfazit: Der V4 ist ein enormer Fortschritt. Wer ein Model S Plaid, Model X oder Cybertruck fährt, profitiert massiv. Beim Model Y und Model 3 sind die Gewinne durch das fahrzeugseitige Limit weniger dramatisch – dafür ist die Ladekurve stabiler.
Supercharger V4: Was hat sich geändert?
Bevor wir in die Messwerte eintauchen, ein kurzer technischer Überblick über die Unterschiede:
Der größte praktische Unterschied zum V3 ist das integrierte 15-Zoll-Display an jeder Säule: Es zeigt Ladefortschritt, Preise und Anweisungen direkt an – man braucht das Smartphone nicht mehr.
Magic Dock: Die CCS-Revolution
In den USA ist der Supercharger V4 mit einem integrierten Magic Dock ausgestattet – einem eingebetteten CCS-Adapter, der es jedem CCS-kompatiblen Elektroauto ermöglicht, direkt am Supercharger zu laden.
In Europa ist die Situation anders: Hier sind bereits alle Tesla-Fahrzeuge mit CCS2 ausgestattet, und das Supercharger-Netz ist sowieso schon für Drittanbieter geöffnet.
Unser Testaufbau
Wir haben den V4-Supercharger am Frankfurt Airport (einer der ersten deutschen V4-Standorte) mit drei verschiedenen Fahrzeugen getestet:
- Tesla Model S Plaid (2023, HW4, 100 kWh Batterie)
- Tesla Model Y Long Range AWD (2025, Juniper, 75 kWh Batterie)
- Zum Vergleich: BMW iX xDrive50 (CCS, als Drittanbieter-Test)
Alle Tests wurden bei ca. 15°C Außentemperatur durchgeführt, die Batterie jeweils auf ~20% SoC vorgefahren und mit vorher aktiviertem Preconditionierung geladen.
Messergebnisse: Model S Plaid
Das Model S Plaid ist derzeit Teslas Spitzenmodell beim Laden und das erste, das annähernd an die 350 kW Grenze herankommt.
Die Peak-Ladeleistung von 318 kW ist beeindruckend – das ist kaum messbar weniger als die versprochenen 350 kW. Der Unterschied kommt daher, dass 350 kW der Wert für das Gesamtsystem (alle Stränge der Batterie) ist, während individuelle Verluste leicht unter diesem Wert liegen.
Messergebnisse: Model Y Long Range
Das Model Y Juniper hat eine maximale Ladeleistung von 250 kW – der V4 liefert also mehr, als das Fahrzeug aufnehmen kann.
Das Model Y kann den V4 nicht vollständig ausnutzen – sein fahrzeugseitiger Onboard-Lader ist auf 250 kW limitiert. Das ist aber kein Problem: Am V3 waren die Ladezeiten praktisch identisch, und am V4 profitiert das Model Y von einer stabileren Ladekurve ohne den typischen V3-Einbruch bei 60–70%.
Stabilitätsvergleich: V3 vs. V4 Ladekurve
Wir haben das gleiche Model Y auch am V3 (Supercharger Frankfurt Kaiserlei) gemessen. Der Unterschied ist subtil, aber real:
- V3: Ladezeit 20–80%: 29 Minuten (vs. 28 min am V4)
- V3: Ladeleistung bricht bei 65% SoC auf ~180 kW ein
- V4: Ladeleistung bleibt bis 72% SoC über 200 kW
Der V4 ist also für das Model Y nicht dramatisch schneller, aber gleichmäßiger – was auf langen Roadtrips bedeutet, dass man häufiger die vollen 28 Minuten ausnutzen kann ohne unerwartete Wartezeiten.
Drittanbieter-Test: BMW iX am V4
Als Bonus haben wir auch einen BMW iX xDrive50 am V4 getestet. Das Ergebnis:
Der BMW lädt am V4 nicht schneller als an einem V3 – sein eigenes Ladesystem limitiert bei 150 kW. Aber die Abrechnung über die Tesla-App funktionierte reibungslos, und der Standort war komfortabel.
Achtung: Drittanbieter zahlen an Tesla Superchargern immer den Gastpreis – keine Möglichkeit für vergünstigte Tarife oder Freikilometer. Prüfe immer die aktuellen Preise in der Tesla-App, bevor du lädst.
Supercharger V4 in Deutschland: Wo gibt es sie?
Stand Juni 2025 gibt es in Deutschland rund 180 V4-Standorte, mit Schwerpunkt auf:
- Autobahnen A1, A3, A5, A8, A9 (Hauptkorridore)
- Flughäfen Frankfurt, München, Berlin BER
- Innenstädte der 10 größten Städte
Die vollständige Liste findest du in der Tesla-App oder auf teslamate.app.
Fazit: Für wen lohnt sich der Weg zum V4?
| Fahrzeug | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Model S Plaid | ⭐⭐⭐⭐⭐ Unbedingt | Voll ausnutzbar, dramatisch kürzer |
| Model X Plaid | ⭐⭐⭐⭐⭐ Unbedingt | Identisch wie Model S Plaid |
| Cybertruck | ⭐⭐⭐⭐ Sehr sinnvoll | Bis 300 kW, große Batterie profitiert |
| Model Y/3 LR | ⭐⭐⭐ Gut | Stabiler, aber ~1 Min schneller |
| Model Y/3 SR | ⭐⭐ Okay | Kleiner Akku – V3 reicht |
| Drittanbieter | ⭐⭐ Okay | Komfortabel, aber nicht schneller |
Der Supercharger V4 ist der beste Ladestandpunkt, den Tesla je gebaut hat. Mit 350 kW maximaler Leistung, dem großen Display, dem längeren Kabel und der Drittanbieter-Unterstützung setzt er neue Maßstäbe – nicht nur für Tesla, sondern für die gesamte EV-Ladeinfrastruktur.
Nutze unseren Road Trip Planer (demnächst), um Supercharger V4-Standorte gezielt in deine Reiseroute einzuplanen.
