Die EU hat entschieden: Ab 2035 dürfen keine neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden. Doch was bedeutet das genau? Und welche Schlupflöcher gibt es?
Was genau wurde beschlossen?
Im März 2023 hat die EU die Verordnung final verabschiedet:
- 100% CO₂-Reduktion für Neuwagen ab 2035
- Das bedeutet: Kein Benziner, kein Diesel, kein Hybrid als Neuwagen
- Bestandsfahrzeuge dürfen unbegrenzt weiterfahren
- Die Verordnung betrifft nur Pkw und leichte Nutzfahrzeuge (bis 3,5 Tonnen)
Zeitplan der CO₂-Reduktion
| Zeitraum | CO₂-Grenzwert Pkw | Reduktion ggü. 2021 |
|---|---|---|
| Bis 2024 | 95 g/km | Basis |
| 2025–2029 | 80,75 g/km | -15% |
| 2030–2034 | 47,5 g/km | -50% (vorher: -37,5%) |
| Ab 2035 | 0 g/km | -100% |
Die E-Fuels-Ausnahme
Deutschland hat eine Ausnahme für E-Fuels durchgesetzt:
- Fahrzeuge, die ausschließlich mit klimaneutralen synthetischen Kraftstoffen betrieben werden, sollen nach 2035 weiterhin zugelassen werden können
- Die technische Umsetzung ist noch nicht geklärt (Stand 2026)
- Es ist unklar, wie sichergestellt wird, dass E-Fuel-Autos nicht mit normalem Benzin betankt werden
Realitätscheck E-Fuels
| Faktor | Bewertung |
|---|---|
| Verfügbarkeit 2035 | Fraglich – aktuell nur Pilotanlagen |
| Preis pro Liter | 2–4 € (optimistisch) |
| Energieeffizienz | Nur 10–15% (vs. 70–80% bei BEV) |
| CO₂-Bilanz | Nur klimaneutral bei 100% erneuerbarem Strom |
| Marktrelevanz | Nische (Oldtimer, Sonderfahrzeuge) |
Fazit: E-Fuels werden keine massentaugliche Alternative zum Elektroauto sein.
Was bedeutet das für bestehende Verbrenner?
Keine Panik: Das Verbot betrifft nur Neuwagen-Verkäufe:
- Dein aktueller Verbrenner darf unbegrenzt weiterfahren
- Gebrauchte Verbrenner dürfen auch nach 2035 weiterverkauft werden
- Tankstellen werden nicht abgeschaltet – sie werden nur weniger
- Ersatzteile bleiben gesetzlich verfügbar (min. 10 Jahre nach Produktionsende)
Was sich ändern wird
- Wertverlust: Verbrenner-Gebrauchtwagen werden ab ~2030 stärker an Wert verlieren
- Tankstellennetz: Wird schrumpfen, besonders in ländlichen Gebieten
- Reparaturkosten: Werden steigen, da weniger Werkstätten spezialisiert sind
- Fahrverbote: Innenstädte könnten weitere Umweltzonen einführen
Wie stehen die Hersteller dazu?
Die Positionen der deutschen Hersteller:
| Hersteller | Position | Ziel |
|---|---|---|
| Volkswagen | Pro Verbrenner-Aus | Nur noch E-Autos ab 2033 in Europa |
| BMW | Gegen festes Datum | „Technologieoffenheit" |
| Mercedes | Ursprünglich pro, jetzt flexibler | EV-Only-Strategie aufgeweicht |
| Porsche | Pro E-Fuels + BEV | Investiert in E-Fuel-Produktion |
| Audi | Pro Verbrenner-Aus | Letzte Verbrenner-Premiere 2026 |
2026-Review: Wird das Datum halten?
Die EU hat einen Review im Jahr 2026 vorgesehen, der die Ziele überprüfen soll. Mögliche Szenarien:
- Beibehaltung 2035 (wahrscheinlichstes Szenario)
- Aufweichung auf 2038–2040 (bei massivem politischem Druck)
- Verschärfung (eher unwahrscheinlich)
Der politische Druck gegen das Verbrenner-Aus hat zugenommen, besonders durch:
- Wirtschaftsabschwung in der europäischen Automobilindustrie
- Starke Lobby der Zulieferer (Bosch, Continental, ZF)
- Politischer Rechtsruck in mehreren EU-Ländern
Was bedeutet das für E-Auto-Käufer?
Für alle, die jetzt oder bald ein E-Auto kaufen, ist die Situation vorteilhaft:
- Wiederverkaufswert: E-Autos werden relativ an Wert gewinnen
- Infrastruktur: Wird massiv ausgebaut (Milliarden-Investitionen)
- Technologie: Batterien werden besser und günstiger
- Förderung: Steuervorteile bleiben mindestens bis 2030
Fazit
Das Verbrenner-Aus 2035 kommt – in irgendeiner Form. Für die allermeisten Autofahrer wird der Umstieg auf Elektro vor 2035 stattfinden, einfach weil E-Autos bis dahin günstiger und praktischer sein werden als Verbrenner. Wer heute in ein E-Auto investiert, ist auf der sicheren Seite – unabhängig davon, was die Politik noch beschließt.
